Die Reise ins Glück

Maria (32) und Ihr Freund Ron (36) arbeiten beide in der Werbung. Sie verdienen gut, haben eine tolle Wohnung und viele Freunde. Trotzdem sind beide unglücklich. Der Besuch einer gemeinsamen Freundin im Jahr 2010 verändert dann alles. Für beide beginnt ein neues Leben.

Ein Besuch ändert ihr Leben für immer

Maria und Ron treffe ich im Juli 2012 in Berlin. Beide sind braungebrannt und wirken entspannt. Sie sind gerade zu Besuch in Deutschland und fliegen bereits morgen Mittag zurück nach Australien. Maria zeigt mir Bilder vom Strandhaus und Ron erklärt mir detailliert, warum die Wellen morgens besser sind als abends. Ich bin erstaunt. Vor mir sitzen zwei komplett entspannte, glückliche Menschen mit sonnengebräunter Haut. Maria erzählt wie alles begann. Damals besuchte eine gemeinsame Freundin das Paar in Hamburg. Sie kam gerade von einem Auslandsjahr von Neuseeland zurück und schwärmte von der Natur, den Menschen und den vielen Möglichkeiten, die es dort gebe. „Die Vorstellung, ganz woanders zu leben und zu arbeiten, hat mir gefallen“ erzählt mir Maria. Ron war gerade befördert worden. Er bekam mehr Geld, aber auch mehr Arbeit und Verantwortung. Als sich das Paar abends von der Freundin verabschiedete, redeten Maria und Ron noch lange über die Idee, auszuwandern. Sie wollten sich aber Zeit lassen und darüber eine Nacht schlafen. Die Wochen vergingen und die Arbeit holte beide ein. Australien spukte immer noch in ihren Gedanken, aber die Angst, es nicht zu schaffen, nagte an beiden. Kurz vor ihrem 33. Geburtstag bekam Maria eine Postkarte von der gemeinsamen Freundin aus Bali. „Diese Postkarte war letzten Endes die Initialzündung“ erzählt Ron lachend. Sie setzten sich zusammen und am Ende stand fest. Wir wandern aus. Weg aus Deutschland. Rein in das unbekannte Abenteuer.

Die Reise ins Paradies

Auswandern und Glück findenSie kündigten ihre gemeinsame Wohnung, verschenkten Möbel und verkauften ihre Autos. Am Ende blieben zwei Rucksäcke und zwei Koffer. Ihr ganzes Leben wog jetzt zusammen 40 Kilo. Am Flughafen in Berlin umarmten Sie ein letztes Mal ihre Eltern. Der Abschied fiel vor allem den Eltern von Maria und Ron schwer. „Meine Mutter sah mir in die Augen und fragte mich tränenerstickt, ob ich mir bei der Sache sicher sei“ erinnert sich Ron. Sie waren es. Um 05.35 startete der Flieger Richtung Singapur. Zurück blieben Freunde, Kollegen und die besorgten Eltern. „Die ersten Wochen verbrachten wir auf Bali“ schwärmt Maria noch heute. Sie düsten mit gemieteten Rollern über die Insel und schauten sich gemeinsam herrliche Sonnenuntergänge an. Sie entdeckten neue Kulturen und lebten ein Leben ohne Zeitdruck, Stress und Deadlines. Bald darauf verließen Sie Bali und flogen weiter nach Australien. Dank eines prall gefüllten Sparbuchs machten sich beide keine Sorgen über Geld. Sie lebten in den Tag hinein und planten ihr Leben nicht im Voraus.

Ein Ring für die Ewigkeit

Kurz nach unserem Gespräch im Juli 2012 schicken mir beide eine Postkarte. Darin verkünden beide überglücklich ihre Verlobung. Sie planen, am Strand in der Nähe von Brisbane zu heiraten. Ein paar Freunde aus Brisbane werden kommen und natürlich ihre Eltern. Später schreiben mir beide eine lange E-Mail. Die Hochzeit war sehr schön und als die Sonne unterging, tanzten Sie glücklich zu romantischer Musik. Monate vergehen und beide arbeiten nebenher in verschiedenen Jobs. Er als Tauchlehrer, sie als Bürokraft in Brisbane. Es ist schon seltsam: da verlassen beide Deutschland, um die Welt kennenzulernen und landen dann doch wieder in gewöhnlichen Jobs. Hat die Routine sie doch wieder eingeholt? Maria widerspricht: „Beide Jobs sind nur vorrübergehend. Wir wollen auch nicht ewig in Australien bleiben“. Anfang 2013 machen beide ihre Ankündigung wahr. In einer langen Mail schreiben Sie mir, dass Sie jetzt auf Indonesien leben würden. Beiden gehe es gut und als Beweis schicken beide ein Foto von sich am Strand. Sie wirken glücklich.

Ein Kind ändert alles

„Ich hatte schon beim Jahreswechsel 2013 das Gefühl, dass mein Körper mir irgendwas mitteilen möchte“ erzählt mir Maria an einen sonnigen Herbsttag 2013. In ihrem Arm liegt ihr Sohn Rafael. Er schläft selig. Er ist der ganze Stolz von Ron und Maria. Ron ist bei unserem Gespräch nicht dabei. Beide sind noch während der Schwangerschaft von Maria im Frühjahr 2013 nach Deutschland zurückgekehrt. Unterschlupf fanden Sie zunächst bei den Eltern von Maria. Als ihr Sohn Anfang August zur Welt kam, hatten Sie bereits eine neue Wohnung gefunden und eingerichtet. Unterstützung bekamen sie nicht nur von ihren Eltern. Auch Freunde und alte Bekannte halfen mit. „Als wir im März 2013 in Berlin landeten, hatten wir nur noch 1.200 Euro auf dem Konto“ erzählt mir Maria. Doch gemeinsam schafften Sie den Neuanfang in Deutschland. Ob Sie noch Sehnsucht nach Australien oder Indonesien hätten, will ich wissen. Beide verneinen. „Es war eine schöne Zeit“ so Maria, „aber mit einem Kind ändert sich alles“. Sie ist sich sicher, dass die lange Reise auch eine Reise zu sich selbst war. Was wird bleiben von fast drei Jahren Reisen, will ich wissen. „Tausend Eindrücke, viele neue Freunde und unglaublich viele Erfahrungen“ fasst Maria das Abenteuer zusammen. Für beide beginnt nun ein neues Leben in Deutschland. Sie hat sich entschieden, sich erst einmal um den gemeinsamen Sohn zu kümmern. Ron hat einen neuen Job gefunden. Er hat seine Erfahrungen und Erlebnisse zum Beruf gemacht. Er arbeitet in einem Reisebüro und hilft jetzt anderen Menschen, ihr Abenteuer in fremde Länder zu finden. Ihr neues Abenteuer ist gerade einmal zwei Monate alt und ihr ganzer Stolz. Sie sind angekommen in Deutschland.

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